Grice & Schumacher
Intonation und Aufmerksamkeitssteuerung: Neurophysiologische und behaviorale Korrelate
Die Forschung des SFB 1252 “Prominence in Language” hat gezeigt, dass viele sprachliche Phänomene – von der Phonetik bis zur Pragmatik – von Prominenzbeziehungen zwischen sprachlichen Formen und zwischen den damit assoziierten Bedeutungen abhängen. Sprachliche Eigenschaften aller Ebenen beeinflussen und reflektieren diese Prominenzrelationen in einem komplexen Wechselspiel. Der Schwerpunkt unserer Forschung in Phase III wird auf Sprache in typischen Gebrauchssituationen liegen. Wir werden Prominenzrelationen in längeren monologischen Texten sowie in interaktiver Kommunikation, d.h. in Gesprächen, untersuchen. Wir erforschen unter anderem, wie sich verschiedene Diskursebenen bzw. Diskurswelten auf Prominenzrelationen auswirken, welche Rolle Prominenzrelationen beim Übergang zwischen Diskurseinheiten in größeren Diskurssegmenten spielen und wie sie dazu beitragen, Sprecherwechsel zu signalisieren. Mit Blick auf interaktive Kommunikation werden wir uns verstärkt auch visuellen Mitteln wie Gesten und Blicken sowie deren Rolle bei der Formung von Prominenzrelationen zuwenden. Ein weiterer Fokus unserer Forschung liegt auf individueller und populationsspezifischer Variabilität, die sich auf die Sprecherperspektive und dialogische Kommunikation im Allgemeinen auswirkt.
In Phase I haben wir die folgende dreigliedrige Definition von sprachlicher Prominenz entwickelt und erfolgreich angewendet: Def1: Prominenz ist eine relationale Eigenschaft, die ein Element aus einer Menge von Elementen gleichen Typs und gleicher Struktur heraushebt; Def2: Prominente Elemente sind strukturelle Attraktoren, d.h. sie dienen als Anker für größere Strukturen, deren Bestandteile sie sind, und sie können mehr Operationen als ihre Konkurrenten lizenzieren; Def3: Der Prominenzstatus verändert und aktualisiert sich im Diskursverlauf. Unsere Forschung hat gezeigt, dass diese Definition ein zuverlässiger Ansatz für die Untersuchung von Prominenz ist und es uns erlaubt, prominenzbezogene Phänomene mit verschiedenen Methoden und über linguistische Subdisziplinen hinweg (Typologie, Phonologie und Phonetik, Morphosyntax, Semantik, Diskurspragmatik, Psycho- und Neurolinguistik) zu vergleichen.
Während die Forschung im SFB in die drei Bereiche Prosodie, Morphosyntax & Semantik und Diskurs organisiert ist, hat unsere Forschung deutlich gemacht, dass die meisten prominenzbezogenen Phänomene die Diskursorganisation unterstützen und somit zumindest teilweise durch ihre Funktion für Diskursorganisation motiviert sind. In Phase II soll diese zentrale Erkenntnis sowohl empirisch als auch durch explizite Modellierung weiter konkretisiert werden. Wir planen, den Kandidatenraum für Prominenzrelationen über zwei konkurrierende Elemente hinaus auszudehnen, Beobachtungen zu größeren Diskursdomänen zu integrieren sowie Gebärdensprache zu untersuchen, um das Zusammenspiel der verschiedenen Prominenzparameter genauer beschreiben zu können. Überdies werden wir ein Modell für die Dynamik linguistischer Prominenz entwickeln, wobei die "forward function" prominenter Einheiten im Zentrum steht. Der SFB wird also weiterhin Prominenz als dynamisches linguistisches Prinzip untersuchen, das Phänomene aus verschiedenen Teilen der Grammatik mit allgemeineren kontextuellen, kognitiven und kommunikativen Bereichen verbindet. Wir erwarten, dass unsere Forschung nicht nur unser Wissen zur Funktionsweise von Sprache verbessert, sondern auch wesentlich zum Verständnis der Schnittstelle zwischen Sprache und anderen Aspekten der Kognition beiträgt.
... implizieren meist die hierarchische Anordnung von Elementen, wie etwa betonte Silben innerhalb von Wörtern und akzentuierte Wörter innerhalb von Äußerungen. Neben diesem strukturellen Ansatz beschreibt Prominenz oft auch die Frage, wie und wieso ein Element akustisch oder perzeptiv unter anderen innerhalb der Domäne „hervorsticht“. Diese Definition beschreibt sowohl vergleichsweise kontextunabhängige sprachspezifische Phänomene (z.B. engl. BLACKbird ggü. black BIRD) als auch Strategien, mit deren Hilfe Sprecher Information kontextspezifisch markieren (z.B. I’m only CHATTING with Martha ggü. I’m only chatting with MARTHA). In beiden Fällen werden prosodisch prominente Elemente durch ein sprachspezifisches Zusammenspiel von artikulatorischen, akustischen und perzeptiven Faktoren hervorgehoben.
Das Enkodieren und Dekodieren von Prominenz hängt zum einen vom Kontext, zum anderen von den Sprecher*innenerwartungen ab, die sowohl die phonologische Form als auch die phonetische Substanz betreffen. Das Verhältnis von phonetischer Substanz und Bedeutung ist eng mit der phonologischen Form verknüpft, die strukturelle Erwartungen konditioniert und zugleich Information aus der phonetischen Substanz integriert. Das Ziel von Forschungsfeld A ist es, prosodische Ausdrucksformen von Prominenz zu erforschen, indem Variationen ihrer Enkodierung und Dekodierung in der Kommunikation untersucht werden.
Intonation und Aufmerksamkeitssteuerung: Neurophysiologische und behaviorale Korrelate
Individualspezifisches Verhalten bei der En- und Dekodierung prosodischer Prominenz
Dynamische Modellierung prosodischer Prominenz
Die Interaktion segmentaler und suprasegmentaler Prominenz-Cues in nicht-assertiven Sprechakten
Metrische Prominenz- Skalen und Strukturen
Die Rolle von Pausen bei der Prominenz-Markierung
Digitale Biomarker für Sprechveränderungen bei der Parkinsonkrankheit
... sprachliche Einheiten, die Prominenzverhältnissen verschiedener Art gegenüber besonders anfällig sind. Asymmetrien zwischen verbalen Argumenten werden durch komplexe Interaktionen von Hinweisen ausgelöst und bilden daher ein ideales Testfeld für die Relevanz von Prominenzbeziehungen für die Argumentkodierung. Aus diesem Grund ist die Argumentstruktur weiterhin ein wichtiges Untersuchungsobjekt. Darüber hinaus erweitern wir unsere Untersuchung um eine weitere Kategorie: die Interaktion von sozialem und grammatikalischem Geschlecht mit Prominenzskalen wie grammatikalischer Funktion und semantischer Rollenhierarchie.
Unsere Arbeit in den vorangegangenen Phasen hat erste Hinweise darauf geliefert, dass die Prominenz im Diskurs ein weiterer Faktor ist, der zur Wahl morphosyntaktischer Konstruktionen beiträgt, beispielsweise an Episodengrenzen. Die Diskurskomponente wird in Bereich B noch zentraler werden, da wir den Einfluss größerer Diskurs- und Interaktionskontexte auf morphosyntaktische Prominenzhinweise untersuchen, wie z. B. Stimmwechsel und unterschiedliche Argumentmarkierungen oder die Nullrealisierung (Auslassbarkeit) von Argumenten.
Kasus-Splits und darüber hinaus: Kodierung von Partizipanten in ostafrikanischen Sprachen
Interaktion von nominalen und verbalen Eigenschaften bei Differentieller Objektmarkierung
Prominenzbedingte Strukturen in Papuasprachen und austronesischen Sprachen mit symmetrischen Diathesen
Aufmerksamkeit und Prominenz in der Sprachproduktion und Spracherwerb
Differentielle Objektmarkierung im Nuristanischen
Prominenz in Aktion: Argument-Markierung in Deutsche Gebärdensprache (DGS)
Die Rolle von Genus und Geschlecht in Prominenzhierarchien: Eine sprach- und registervergleichende Perspektive
... Individuen, Ereignisse und Propositionen, auf die im Diskurs auf verschiedene Weisen sprachlich referiert wird. Generell wird angenommen, dass im mentalen Modell der Sprecher:innen ein inverses Verhältnis zwischen dem Explizitheitsgrad eines anaphorischen Ausdrucks (in Bezug auf deskriptives, lexikalisches und phonologisches Material) und der Prominenz der entsprechenden Diskurseinheit besteht: Explizitere anaphorische Ausdrücke, wie etwa vollständige Nominalphrasen, korrelieren mit auf der Diskursebene weniger prominenten Referenten, während reduzierte anaphorische Ausdrücke, wie Nullpronomina, mit prominenteren Referenten assoziiert sind.
Ein Schwerpunkt der Projekte in Forschungsfeld C ist die Frage danach, was ein Element in einer Reihe von Elementen desselben Typs prominenter macht. Die Mitwirkung und Interaktion verschiedener prominenzverleihender Faktoren, darunter syntaktische Funktion, thematische Rolleneigenschaften, aspektuelle Eigenschaften und Topikalität, wird dabei erforscht. Der Aufbau von Prominenzstruktur ist aber auch ein fortlaufender Prozess, d.h. die Prominenzstruktur wird im Ablauf des Gesprächs dynamisch aktualisiert. Verlagern Sprecher:innen ihre Aufmerksamkeit von einem Element auf das andere, verlagert sich damit auch der Prominenzstatus semantischer Elemente. Deshalb untersuchen die Projekte des Forschungsfeldes C auch die Signale, über die bevorstehende Veränderungen oder der Erhalt der Prominenzstruktur angezeigt werden und wie der Diskursprozess dadurch beeinflusst wird.
Temporalität und Modalisierung im Diskurs
Referenzstrategien in bilingualen Geschichten
Aktivierung von Konzepten und Referenten im Diskurs
Vorausschauende und zurückverweisende Funktionen von Diskursanaphern
Prominenz und prädiktive Modellierung
Propositionale Anaphern in negativ polaren Kontexten
Prominenz in großen Sprachmodellen
... in den Daten, Design und Nachhaltigkeit (S) und Zentrale Dienste (Z). Wichtige Anlaufstelle für Anfragen ist der Helpdesk im „House of Prominence“ (Luxemburger Str. 299).
Daten, Design und Nachhaltigkeit
Zentrale Dienste