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Nachruf Professorin Dr. Beatrice Primus

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* 12.9.1953 – † 29.11.2019


Am 29. November 2019 verstarb Beatrice Primus im Alter von 66 Jahren. An der Universität zu Köln ist sie von 1998 bis 2019 Professorin für die Sprachwissenschaft des Deutschen gewesen.

Beatrice Primus wurde in Kronstadt / Brasov in Rumänien geboren. Sie berichtet in der Vorstellungsrede für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung von ihrer Kindheit: „aus dem Volksradio tönte Russisch, von der Amme hörte ich Ungarisch, von den Eltern mal Deutsch, mal Rumänisch. Mit drei Jahren hatte ich noch immer nicht zur Sprache gefunden. Das sollte sich später andern.“ Nach dem Abitur verließ sie Rumänien, um an der Ludwigs-Maximiliams-Universität München Germanistik und Anglistik zu studieren. 1986 wurde sie mit einer Arbeit über Grammatische Hierarchien bei Theo Vennemann promoviert und habilitierte sich 1995 mit einer Arbeit zu Kasus und thematischen Rollen, die bis heute das Standardwerk zu diesem Forschungsbereich ist. Ihre außergewöhnliche Forschungsleistungen umfassten die Gebiete Schriftlinguistik, Phonologie, Syntax und Semantik. In jedem dieser Gebiete kann sie als Expertin gelten. Ihre Arbeit beruhte dabei auf dem Sprachvergleich als die maßgebliche Perspektive. Um zu Erkenntnissen zu den Sprachstrukturen des Deutschen zu gelangen, arbeitete sie stets auch im Vergleich zu typologisch unterschiedlichen Sprachen. Sie verstand ihre Arbeit in der germanistischen Linguistik stets übergreifend sowohl übereinzelsprachlich als auch Sprachstufen übergreifend – ganz im Sinne des klassischen Verständnisses der Allgemeinen Sprachwissenschaft und der modernen diachronen Forschung. Neben der stets komparativen Perspektive hat sie ihre Untersuchungsgegenstände in theoretische und formale Kontexte eingebunden und damit auch wesentlich zur Theorieentwicklung beigetragen. Ihr Erkenntnisinteresse war so immer deskriptiv-erklärend und theoretisch fundiert.

Beatrice Primus hatte Professuren an den Universitäten Heidelberg und Stuttgart inne, ehe sie 1998 den Lehrstuhl für die Sprachwissenschaft des Deutschen am Institut für deutsche Sprache und Literatur I an der Universität zu Köln annahm. Diese Aufgabe hat sie bis zu ihrer Pensionierung im September dieses Jahres mit unglaublich viel Energie, Engagement und Liebe zum Fach ausgefüllt. In den 21 Jahren ihrer Tätigkeit in Köln hat sie die Sprachwissenschaft des Deutschen nicht nur kontinuierlich weiterentwickelt, sondern mit großer Weitsicht dafür gesorgt, dass die Germanistische Linguistik an der Universität zu Köln durch die Etablierung empirischer Methoden der Psycho- und Neurolinguistik international sichtbar geworden ist. Schließlich hat sie mit nicht nachlassender Energie alle sprachwissenschaftlichen Fächer philologienübergreifend an der Universität unter dem Dach eines gemeinsamen Forschungsthemas zusammengeführt und wesentlich dazu beigetragen, dass der SFB 1252 Prominenz in Sprache gegründet werden konnte. Bis wenige Tage vor ihrem viel zu frühen Tode hat sie mit Kollegen und Kolleginnen an Publikationen gearbeitet, die zentrale Themen für die nächsten Jahre des SFBs definieren werden, und an zentralen wissenschaftlichen Arbeiten von höchstem öffentlichen Interesse federführend mitgewirkt, wie mit ihrer Arbeit für den Rat für deutsche Rechtschreibung.

Beatrice Primus hat aber auch viele andere Bereiche der Universität mit großen Einsatz mitgeprägt: Sie hat wesentlich an einem Clusterantrag im Bereich Medienwissenschaft und an einem im Bereich Sprache mitgewirkt und sie war auch Mitantragstellerin für das Käthe-Hamburger-Kolleg Morphomata. Eine weitere zentrale wissenschaftliche Lebensaufgabe war für sie die akademische Lehre und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Sie war eine brilliante, hochengagierte und anspruchsvolle Lehrerin und war für viele Jahre Vorsitzende der Kommission für den wissenschaftlichen Nachwuchs und der Kommission für den Offermann-Hergarten Preis der Fakultät. Im Bereich Nachwuchsförderung ist sie als Mitglied des Senats- und Bewilligungsausschusses für die Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinde (DFG) ebenfalls zuständig gewesen.

Beatrice Primus war außerdem eine sehr aktive und gestalterische wissenschaftliche Persönlichkeit. So hat sie immer wieder neue Themen in der deutschen und internationalen Linguistik angestoßen und weitergeführt. Als eines der beeindruckendsten Beispiele kann die Schriftlinguistik gelten, die sie als ganz neues Gebiet für die Sprachwissenschaft erschlossen hat und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern u.a. mit ihren bahnbrechenden Arbeiten u.a. zur Interpunktion weiter inspirieren wird. Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse hier hat sie sowohl als Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung – gesandt von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung – mit Umsicht eingebracht als auch den Brückenschlag von der Schriftlinguistik in die Orthographiedidaktik mitgeleistet. Neben zahlreichen akademischen Funktionen war sie Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim und hat hier die Forschungsthemen mit großer Verantwortlichkeit mitgestaltet. Sie war ordentliches Mitglied in der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Dort wie auch in allen anderen ihren Tätigkeitsgebieten hat sie ihre Kolleginnen und Kollegen mit ihrer Begeisterung für Sprache und Sprachwissenschaft in ihren Bann schlagen können.

Mit Beatrice Primus verliert die Sprachwissenschaft in Deutschland und International eine außergewöhnliche und kluge Persönlichkeit, die uns in ihrer begeisternden Lehrtätigkeit, ihrer exzellenten Forschung und ihrer hohen Verpflichtung für die akademische Selbstverwaltung ein Vorbild ist und bleiben wird.

Am 29. November 2019 verstarb Beatrice Primus nach einer langen schweren Erkrankung, die sie aber nicht von ihrer Begeisterung für die Linguistik hat abbringen können. Wir trauern um eine engagierte Lehrerin, hochgeschätzte Forscherin und außergewöhnliche Kollegin.


Trauerfeier:       Freitag, 13.12. 2019 15:00 Uhr Waldfriedhof Puchheim Schopflach, Allinger Straße (ggü. Nr. 125)

Akademische Gedenkfeier: Freitag, 07.02. 2020 ab 15.30 Uhr im Dozentenzimmer, Hauptgebäude der Universität zu Köln

Traueradresse:  Arnulf Zöller, Bürgermeister-Ertl-Str. 18a, 82178 Puchheim
E-Mail:                arnulfzoeller@icloud.com